Big Data Konzepte und deren Anwendung

Big Data Konzepte und deren Anwendung
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Abgesehen davon, dass es mehrere Aspekte von Big Data gibt, die medial offensichtlich übertrieben dargestellt werden und abgesehen von meiner persönlichen Zurückhaltung in Bezug auf die Begrifflichkeit glaube ich dennoch, dass Big Data eine gewichtige Bedeutung in vielen Organisationen erlangen wird. Nachdem unstrukturierte Datentypen wie Text und Sprache uns schon seit vielen Jahren begleiten und deren Volumen und die dazugehörigen geschäftlichen Herausforderungen in diesen Daten relevante Informationen zu finden und gefundene Informationen mit anderen zu verknüpfen, um neues Wissen zu schaffen, immer weiter wachsen ist in der Tat ein neues Zeitalter angebrochen. Dasselbe gilt für Technologien, die die Analyse solcher Daten ermöglichen.

Wenn man diese Technologien genauer betrachtet, ist es vor allem in größeren Unternehmen interessant zu sehen das interne Kunden wie zum Beispiel die IT selbst ganz anders betrachtet und mit solcher Technologie versorgt werden, als dies bei Endkunden der Fall ist. Im CRM Bereich gibt es heute bereits sehr ausgereifte technologische Lösungen die helfen Einblicke in Kundenzufriedenheit und Kundenverhalten zu bekommen. Bedauerlicherweise sind wir aber weit weg davon, dieselbe Technologie für unsere eigenen IT Organisationen zu verwenden. Näheres dazu finden Sie in dem bereits im Angelsächsischen Raum zum Klassiker avancierten Buch „Architecture & Patterns for IT“ von Charles T. Betz. Der Untertitel zeigt warum dieses Buch sich in Fachkreisen so großer Beliebtheit erfreut: „Making Shoes for the Cobbler’s Children“. Natürlich gilt dasselbe Phänomen (nämlich dass IT Organisationen oft so darauf fokussiert sind Fachberieche zu optimieren dass dies häufig zu Lasten der eigenen Optimierungsprioritäten geht) auch für die Unterstützung durch Big Data z.B. wenn es innerhalb der IT um das Berichtswesen von Lieferanten oder das Beziehungsmanagement zu Kunden und Lieferanten geht.ATS Paris 2009 - Property of Markus Mueller

Wenn Firmen wie Google, Facebook und Amazon es schaffen große Mengen von Daten, die scheinbar nichts miteinander zu tun haben, insoweit zu verwenden, das Sie einen Wettbewerbsvorteil lukrieren können, wäre das nicht auch interessant genau dieselben Lösungen für IT Organisationen anzuwenden?

Gehen wir einmal davon aus dass insbesondere eine IT Organisation, die mit vielen Lieferanten zusammenarbeitet eine Daten-intensive Organisationseinheit ist, so wie zum Beispiel Marketing, Finanzen oder Personal. Und sollten wir nicht auch annehmen das Big Data besonders dort gut angesiedelt ist – im Sinne von Brancheneignung – wo entweder sehr viele Daten online verarbeitet werden oder Branchen besonders viel Optimierungspotential haben. Wenn Sie beobachten in welche Art von Software Unternehmen am meisten investieren, werden Sie wohl schon erkannt haben, das wir bereits jenseits der automatischen transaktionsbasierten Software in Richtung Software, die die Daten in Echtzeit analysiert, gehen. Dies hat meiner Beobachtung nach interessante Auswirkungen auf die Selbststeuerungsfähigkeit von Organisationen. Denn selbst wenn wir annehmen, dass aus der Analyse von einigen Datensätzen korrekte Vorhersagen resultieren, werden sehr bald Feedback-Schleifen entstehen, sobald andere beginnen auf diese Vorhersagen zu reagieren was das System nicht-deterministisch reagieren lässt. Wir haben es also nicht nur mit einem technischen sondern auch mit einem sozial komplexen Thema zu tun.

Personen, die mich kennen wissen, dass ich davon überzeugt bin, dass technische Problemstellungen herausfordernd sein können. Aber die wahren Schwierigkeiten liegen im Management und im zwischenmenschlichen Bereich wenn es um den Einsatz neuer Technologien wie Big Data geht. Deswegen bin ich auch davon überzeugt, dass wir in der IT Industrie von einem Technologie-getriebenen Ansatz zu einen am Geschäftsnutzen orientierten Ansatz übergehen müssen.

Als Konsequenz daraus sollten wir im itSMF darüber diskutieren wie man neue Organisationsstrukturen schaffen kann, die mit Big Data Projekten umgehen können. Big Data adressiert in erster Linie kein IT Problem. In großen Organisationen werden Big Data Fragestellungen im Marketing, in den Finanzen, in der Produktentwicklung, in der Strategie und letztendlich auch in der IT entstehen. Sollte die IT daher Ihre Kompetenzen um Big Data erweitern? Selbstverständlich, denn aufgrund der Tatsache, dass die Business Analyse eine wesentliche Kompetenz für einen Service Anbieter wie einer IT Organisation ist, wird Datenanalyse zur Gewinnung geschäftsrelevanter Informationen immer wichtiger werden.

Aber Big Data zu analysieren ist im Service Management nicht genug. Und nicht nur da – generell gilt dass die eigentlich interessante Frage nämlich die ist was mit den Analyseergebnissen passiert. Der wahre Nutzen besteht darin bereits vor der Analyse zu verstehen welche Informationen wirklich wichtig sind. Zu viele IT Organisationen sammeln mehr Daten, als sie wirklich verarbeiten können. Daraus werthaltige Informationen zu beziehen benötigt ein Verständnis, wie Lieferanten und Kunden von Informationen und Informationsdienstleistungen funktionieren. Denn mehr Fakten und mehr Informationen sind nicht immer besser wenn der eigentliche Nutzen dieser zusätzlichen Information außer Acht gelassen wird.

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Ein Gedanke zu “Big Data Konzepte und deren Anwendung

  1. Christian Schwaiger

    Ein sehr gelungener Beitrag zum Thema Big Data. Ich teile die Ansicht, dass wir es nicht nur mit einem technischen sondern auch mit einem sozial komplexen Thema zu tun haben. Auch das wir in der IT Industrie von einem Technologie-getriebenen Ansatz zu einem am Geschäftsnutzen orientierten Ansatz übergehen müssen kann ich nur unterstreichen. Dies trifft meiner Meinung nach auf die IT Industrie um allgemeinen sowie auf interne IT Abteilungen im speziellen zu. Nur so können aktuelle Trends wie Big Data objektiv bewertet und optimal auf die Unterstützung der Geschäftsfelder ausgerichtet werden, um einen dauerhaften Mehrwert und Wettbewerbsvorteile für unsere Unternehmen schaffen zu können.

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